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Enthüllung eines Kunstprojekts zum Gedenken der jüdischen Schwestern Feinberg/Heilbronn


Enthüllung eines Kunstprojekts zum Gedenken an den letzten Weg der jüdischen Schwestern Feinberg/Heilbronn anlässlich des Jahrestags ihrer Deportation



Mit einer Gedenkveranstaltung und der Enthüllung des künstlerisch gestalteten Stromkastens vor dem Haus Marktplatz 7, wurde am Sonntag, 28. August 2022, dem Jahrestag der Deportation im August 1942, in besonderer Art an das Schicksal der Schwestern Rosa Feinberg und Therese Heilbronn erinnert. Vor dem ehemaligen Wohnsitz der jüdischen Familie erinnern seit März auch Stolpersteine an die Deportation und Ermordung der Familie durch die Nationalsozialisten.

Das in grau-schwarz-weiß gehaltene Bildmotiv zeigt den Fußmarsch der beiden Schwestern, als diese in Richtung Oberurseler Bahnhof unter den Augen der Nachbarn und Männern in SS-Uniformen aufbrechen mussten. Mit ihrem Gepäck im Leiterwagen mussten sie den ersten Schritt ihrer Deportation selbst gehen. Auch wenn im Nachhinein viele Mitbürger behaupteten, sie hätten von nichts gewusst: Jeder konnte es sehen und die Stadt sah zu. Rosa Feinberg starb zwei Wochen später in Theresienstadt, ihre Schwester Therese Heilbronn wurde am 27. September in Treblinka ermordet.

Bürgermeisterin Antje Runge mahnte in ihrer Rede: „Das Gedenken über die künstlerische Auseinandersetzung hält das historische Wissen wach. Die Familie Feinberg/Heilbronn hat mitten unter uns gelebt, die Schwestern waren Oberurseler Mitbürgerinnen und es ist wichtig, einen Erinnerungsort zu schaffen, der ihr Leben und Schicksal sichtbar macht und sie aus der Anonymität holt. Sie wurden ermordet und verfolgt, weil sie Jüdinnen waren, andere Oberurseler Bürgerinnen und Bürger fielen den Euthanasie-Gesetzen zum Opfer oder sie wurden politisch verfolgt. Das Lebendighalten der Erinnerung an die Shoa sowie die Warnung vor rechten Bewegungen bleibt auch heute anlässlich antisemitischer Vorfälle und alltäglicher Diskriminierungen von Minderheiten eine zentrale Aufgabe.“ Zu der Frage, warum die Stadt als Mittel die Bildende Kunst gewählt hat, erläutert Runge: „Mit dem Versterben von Zeitzeugen benötigt die zukünftige Erinnerungskultur eine neue Ausrichtung. Kunst im öffentlichen Raum erregt Aufmerksamkeit, macht Geschichte sichtbar und stellt so aktiv eine Öffentlichkeit her. Dabei ist es uns wichtig, das Verständnis und die Verantwortung der nächsten Generationen zu wecken, damit diese als Patinnen und Paten zum Erhalt der Erinnerungsorte beitragen.“


Die Erinnerungskultur an Opfer der NS-Zeit hat seit jeher einen hohen Stellenwert in Oberursel, was sich in zahlreichen Gedenktagen und Veranstaltungen zeigt. Auf der Suche nach neuen Wegen und Formen des Gedenkens, entstand zwischen Bürgermeisterin Antje Runge und Tobias Zimmermann, Leiter Kommunale Beziehungen der Süwag Energie AG, die Idee dieser Umsetzung am Marktplatz 7. Die Süwag Energie AG beauftragte den Frankfurter Künstler Jan-Malte Strijek mit der Umsetzung. Hinter verdeckter Kulisse entstand nun eine Woche lang das Motiv, welches der Künstler in enger Abstimmung mit der Initiative Opferdenkmal e. V. entworfen hatte.


„Mit der Kunst auf den Stromverteilerkästen an dieser historischen Stelle das Stadtbild aktiv mit zu gestalten und andererseits an diese geschichtsträchtigen Standorte zu erinnern, ist uns ein Anliegen. Wir haben mit Jan-Malte Strijek bereits in verschiedenen Projekten erfolgreich zusammengearbeitet und auch hier ist die Umsetzung wieder auf beeindruckende Weise gelungen“, so Tobias Zimmermann, Leiter Kommunale Beziehungen der Süwag Energie AG, anlässlich der feierlichen Enthüllung.



Begleitet wurde die Enthüllung des Kunstwerkes durch Annette Andernacht, Vorsitzende der Initiative Opferdenkmal e.V. sowie Marc Menges, Lehrer der Feldbergschule, der sich mit der Schülerschaft bereits sehr aktiv im Projekt Stolpersteine engagiert. Den historischen Hintergrund zur Biografie von Rosa Feinberg und ihrer Schwester Therese Heilbronn lieferte Angelika Rieber, Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hochtaunus, in ihrem Redebeitrag. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von einem Querflötentrio der Musikschule Oberursel.

Über den auf dem Stromverteilerkasten angebrachten QR-Code können weitere Hintergrundinformationen zu dem Projekt und der Geschichte der Familie Feinberg und den Stolpersteinen, aufbereitet von Angelika Rieber, abgerufen werden. Es erfolgt eine automatische Weiterleitung auf die städtische Webseite www.oberurselimdialog.de/kunstprojekt-erinnerungskultur.

Bürgermeisterin Antje Runge: „Mein Dank für die Umsetzung des Projekts geht an alle Beteiligten, insbesondere bedanke ich mich bei der Süwag Energie AG für die Finanzierung des Projekts und bei Jan-Malte Strijek für die künstlerische Arbeit.“

Antje Runge

Bürgermeisterin

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