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„Gemeinschaftliches Wohnen“ stößt in Oberursel auf großes Interesse



In der letzten Woche veranstaltete die Stadt Oberursel (Taunus) ein Podiumsgespräch zum Thema „Gemeinschaftliches Wohnen“. Im Rushmoorpark diskutierten über 100 Gäste die Vorteile und Herausforderungen dieser Lebensform und Oberurseler Projektgruppen, die das bereits umgesetzt haben, stellten sich vor. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Großen Frankfurter Bogens, einer Initiative des Landes Hessen zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in lebenswerten Quartieren im Rhein-Main-Gebiet, statt.

Bürgermeisterin Antje Runge begrüßte die Gäste als Gastgeberin mit einer Einleitung in das Thema: „Das gemeinschaftliche Wohnen ist eine Form des Zusammenlebens, die sich aus drängenden gesellschaftlichen Fragen wie Nachhaltigkeit, bezahlbarem Wohnraum, dem Austausch unterschiedlicher Generationen, die Schwierigkeit des Alleinerziehens oder Wegen aus der Einsamkeit im Alter, verstärken. Wie können wir in unterschiedlichen Lebensphasen zusammen und dennoch selbstbestimmt leben? Mit den in Oberursel ansässigen Vereinen Wohntraume. V. und Wohl.AG e. V. haben wir sehr aktive Gruppen, die drei Wohnprojekte erfolgreich umgesetzt haben. Über deren Ursprung in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe hinaus stehen diese Projekte bis heute in regelmäßigem Austausch zur städtischen Verwaltung, die Anlaufstelle ist, informiert, vernetzt und bei der Projektentwicklung unterstützt.“




Umfragen des Moderators Dr. Klaus Winkler in Richtung des Publikums zeigten, dass der größte Teil des Publikums sich vorstellen kann, gemeinschaftlich zu wohnen. Nachfolgend eröffnete Afra Höck von der Landesberatungsstelle Gemeinschaftliches Wohnen einen Blick auf die gesamte Bandbreite des Gemeinschaftlichen Wohnens und teilte Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Wohnprojekten in ganz Hessen. Sie machte klar, dass gemeinschaftliches Wohnen weit über das hinaus geht, was klassische studentische Wohngemeinschaften sind. Gemeinschaftliche Wohnprojekte basieren oftmals auf einer tiefgreifenden Vorstellung darüber, wie gemeinsam gewohnt und gelebt werden kann: Das reicht von der Mitsprache beim grundlegenden baulichen Zuschnitt der Wohnprojekte, über die Suche einer passenden Rechtsform, die Planung regelmäßiger gemeinsamer Aktivtäten bis zu Absprachen über die solidarische Unterstützung bei der Kindererziehung als auch im Krankheits- oder Pflegefall. Wie das in der Realität der bestehenden Wohnprojekte gelebt wird, beschrieben jeweils ein bis zwei Personen der Wohnprojekte Aumühle, Berliner Straße, Mainstraße sowie einer weiteren Gruppe aus dem Verein Wohntraum e. V., die explizit bezahlbares Wohnen im Gemeinschaftsprojekt ermöglichen wollen. Mit Humor und Offenheit schilderten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Aufbau und Lebensalltag der Projekte, genauso aber wie die Herausforderungen und Hürden im Entstehungsprozess. Deutlich wurde insbesondere, dass in allen Fällen viel Engagement, Gruppenzusammenhalt und ein „langer Atem“ notwendig waren. Darüber hinaus zeigte das Beispiel der letztgenannten Gruppe – welche bereits seit fünf Jahren auf der Suche nach einem passenden Objekt ist – allerdings auch, dass die aktuellen Rahmenbedingungen des Wohnungsmarktes und die explodierenden Baupreise bezahlbares Wohnen in Gemeinschaft massiv erschweren.

Auch die fachliche Perspektive der Stadtplanung der Stadtverwaltung – vertreten durch Abteilungsleiterin Anja Littig – machte deutlich, dass die Stadt Oberursel gemeinschaftliches Wohnen mit Tatkraft unterstützen will und ebenso nach Wegen sucht, wie zukunftsweisendes und bezahlbares Wohnen trotz des fehlenden Angebots an verbliebenen städtischen Grundstücken, horrenden Bodenpreisen und der aktuellen Baukostenentwicklung wieder möglich werden kann. Die Aufgabe der Stadtplanung bestehe zugleich darin, so betonte Littig, unterschiedliche Interessen sorgfältig abzuwägen. In Fragen wie der Ausweisung neuen Baulands, bei Plänen zur Nachverdichtung in bestehenden Nachbarschaften oder der bevorzugten Vergabe von Grundstücken für bestimmte Zwecke könne das oft sehr komplex werden.

Bürgermeisterin Runge, die auch zuständig für die Stadtplanung ist, zeigte mögliche Instrumente auf: „Bei der Entwicklung von Bauland mit Geschosswohnungsbau können wir Vorhabenträgerinnen und -träger ansprechen, ob sie sich gemeinschaftliches Wohnen vorstellen können und sie mit interessierten Gruppen in den Austausch bringen. Als Stadt haben wir bei den eigenen Grundstücken bei der Vergabe in Erbpacht Möglichkeiten über den Erbpachtzins oder im Rahmen eines Umlegungsverfahrens die Option neue Grundstücke zu generieren. Bei Verkäufen ist unser wichtigstes Instrument die Konzeptvergabe, in der wir über eine Projektbeschreibung und Zielformulierung die Vergabekriterien gewichten und damit nach vorgegebenen Kriterien vergeben können. Wichtig ist es in Zukunft, auch die Leerstände vermehrt in den Blick zu nehmen und dafür ein Leerstandskataster zu entwickeln. Bei allen Herausforderungen zeigen die Instrumente, dass es sich lohnt, diese anzugehen!“

Die Diskussion zeigte, dass Aufmerksamkeit für das Thema dieses Abends sowie politische Unterstützung für zukunftsweisendes Wohnen ganz zentral sind. Große Hoffnung besteht in der aktuellen Situation darin, dass die Vernetzung zwischen den unterschiedlichen Akteurinnen und Akteuren von Hilfe ist. Gemeint sind damit bestehende Projekte, interessierte Einzelpersonen und neue Gruppen, städtisches Fachpersonal, die lokale Politik, aber auch private Eigentümerinnen und Eigentümer, die sich vorstellen können, ihr Grundstück an ambitionierte Wohnprojekte zu veräußern oder selbst Teil davon zu werden. Im Anschluss an Podiumsgespräch und Diskussion kamen die Besucherinnen und Besucher, vom Thema sichtlich bewegt, bei Getränken und zum weiteren Austausch zusammen. Großes Interesse bestand am Informationsstand der Landesberatungsstelle für Gemeinschaftliches Wohnen. Die sommerliche Veranstaltung endete in einem fließenden Übergang zum Kinoprogramm des diesjährigen Filmfestes im Orscheler Sommer. Antje Runge Bürgermeisterin

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